Was ist “Web 2.0″
Posted on | November 22, 2006 | 1 Comment
Der Begriff “Web 2.0″ wir dem Computerverleger Tim O’Reilly zugeschrieben. Er wollte mit diesem Begriff neue Formen der Internetnutzung von der bisherigen abgrenzen.
Das Internet selbst ist noch ein recht junges Phänomen. Zwar gab es schon seit den 1970er Jahren vernetzte Computer, aber erst die Entwicklung des WWW von Tim Berners-Lee im Jahr 1989 und des Webbrowsers Mosaic Anfang der 1990er Jahre machten das Internet für jeden Nutzer zugänglich.
Es folgt das, was nach Auffassung O’Reillys als “Web 1.0″ zu verstehen ist: Firmen bieten ihre Serviceleistungen an und erstellen viele Inhalte selbst. Daneben spielen technische und wirtschaftliche Fragen eine Rolle, die uns hier jedoch nicht interessieren sollen. Für mich ist besonders wichtig, wie der Nutzer mit dem Web 1.0 im Gegensatz zu dem Web 2.0 mit dem Netz arbeitet.
Trotzdem gebe ich O’Reillys Gegenüberstellung von Web 1.0 und Web 2.0 vollständig wieder, werde aber die mich interessierenden Punkte besonders hervorheben:
Web 1.0 -> Web 2.0
DoubleClick -> Google AdSense
Ofoto -> Flickr
Akami -> Bit Torrent
mp3.com -> Napster
Britannica Online -> Wikipedia
Personal Websites-> Blogging
evite -> Upcoming.org and EVDB
domain name speculation -> search engine optimization
page views -> cost per click
screen scraping -> web services
publishing -> participation
content management systems -> wikis
directories (taxonomy) -> tagging (“folksonomy”)
stickiness -> syndication
Von der Quelle zur Plattform
Web 1.0 war und ist ein Informationsmedium. Verlage publizieren Zeitschriften und andere Texte im Netz, die Nutzer können diese lesen, herunterladen usw. Man besucht web 1.0-Anwendungen um sich zu informieren.
Die Masse der Nutzer tritt als Rezipienten auf, auch Web 1.0-Seiten können dynamisch (mit ständig wechselndem Inhalt) sein, jedoch ist der Kreis derer, die Änderungen vornehmen können, eingeschränkt (Content-Management-Systeme). Linkkataloge (z.B. Yahoo!) werden von einer Redaktion betreut. Kurz und gut: Das Web 1.0 wird als Read-Web (also Lesenetz) verstanden.
Web 2.0-Anwendungen hingegen lebt von der Partizipation der Nutzer. Dienste wie Flickr, Wikipedia oder del.icio.us bieten lediglich eine Infrastruktur. Die Inhalte werden von den Nutzern erzeugt.
Bei Flickr kann man eigene Fotos hochladen, diese katalogisieren, Fotos mit Freunden tauschen oder auch eigene “Dia-Shows” mit den Fotos verschiedener Nutzer erstellen.
Bei Wikipedia schreiben alle Nutzer zusammen an einer Online-Enzyklopädie. Jede/r Nutzer/in kann selbst neue Artikel schreiben, bzw. schon bestehende Einträge ändern. Somit entsteht nach und nach ein Nachschlagewerk.
del.icio.us erlaubt es seinen Nutzern, Seiten, die sie interessant finden mit einem Lesezeichen zu versehen. Zusätzlich zu dem Link kann man den Links Stichwörter zuordnen. Diese Stichwörter werden als Tags bezeichnet. Eine Katalogisierung findet somit nicht mehr durch eine Redaktion statt. Vielmehr baut sich ein Katalog durch die Nutzer des Services auf.
Web 2.0 ist deshalb ein Read-Write-Web (Lese-Schreib-Netz).
Wisdom of Crowds
Was man mit “Weisheit der Massen” meint, dürfte im vorherigen Abschnitt deutlich geworden sein. Die Inhalte werden nicht mehr von einzelnen Redakteuren erstellt, sondern entstehen in der Zusammenarbeit vieler Menschen. Bei wikis wird das am deutlichsten, schließlich kann jede Leserin/jeder Leser mitschreiben.
Auch persönliche Webseiten wie diese hier profitieren von Web 2.0-Techologie. Zunächst einmal der technische Aspekt. Früher war es ziemlich aufwendig, neue Inhalte auf einer Seite zu publizieren. Man musste die Texte in HTML erstellen, sie auf einen Server hochladen. Einen neuen Inhalt zu publizieren, hieß nicht nur den neuen Inhalt zu erstellen, nein, es mussten darüber hinaus noch eine Reihe von anderen Seiten geändert werden. Somit konnte eine Aktualisierung der Seite ganz schön lange dauern. Der Fokus hat sich jetzt auf den Inhalt verschoben. Aber in noch einem Aspekt profitieren private Webseiten von neuen Technologien. Hat man ein Blog, so können alle Leser/innen ihre Kommentare zu einem Beitrag abgeben. Es besteht also das Potenzial, dass Diskussionen entstehen, von denen alle etwas haben – auch der- bzw. diejenige, die/der das Blog betreibt.
Von der Lizenz zu Creative Commons
Das Web 1.0 ist stark mit der kommerziellen Nutzung der Computertechnologie verbunden. Dies wird besonders am Beispiel des “Browserkrieges” deutlich, bei dem Netscape und Microsoft um die Vorherrschaft auf dem Gebiet der Netzbrowser gekämpft haben. Dieser Krieg wurde von Microsoft gewonnen.
Das Web 2.0 hingegen ist mit der Idee des OpenSource verbunden. Statt Quellcodes geheim zu halten, werden sie offengelegt und alle, die es wollen und können, sind in der Lage, ihren Beitrag zur Verbesserung des Angebots zu leisten. Dafür bekommen die Programmierer/innen nichts.
Was für die Entwicklung von Software gilt, findet seinen Niederschlag auch bei den Inhalten. Man hält sein Wissen nicht mehr zurück, vielmehr teilt man es, jedoch unter der Maßgabe, dass man als Quelle genannt wird. Dieses Prinzip des Umgangs mit Wissen findet seinen Niederschlag in den Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen). In ihnen können die Erzeuger von Inhalten wählen, ob der von ihnen erstellte Inhalt kommerziell oder verändert werden darf oder nicht. Jedoch beinhaltet jede CC-Lizenz die explizite Nennung der Quelle.
Dieser Beitrag ist ganz schön lang geworden. Morgen beschäftige ich mit mit dem Blogging.
Nachtrag: Wegen des hohen Spam-Aufkommens bei diesem Betrag habe ich die Kommentarfunktion abgestellt. Entschuldigung.
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November 27th, 2006 @ 15:03
[...] Ein wiki ist zunächst nichts anderes, als eine Internetseite, die durch alle Nutzer geändert werden kann. Alle Versionen werden gespeichert und sind nachwievor den Nutzern zugänglich. Darüber hinaus bietet die wikipedia z.B. die Möglichkeit, über einzelne Artikel zu diskutieren. Statt von wenigen Redakteueren, hängt das Projekt somit von der “Weisheit der Masse” ab. Irgendwann – so der Gedanke hinter dem Projekt – ist durch die Zusammenarbeit Tausender Nutzer eine Enzyklopädie entstanden, die immer auf dem neuesten Stand ist und sich qualitativ mit den kommerziellen Angeboten messen kann. [...]